Schauspiel

Reigen

Schauspiel von Arthur Schnitzler (zehn Dialoge)

Weitere Bilder

Einen Tanz – einen Menschenreigen – schildert Schnitzler. Sein Stück um zehn Paarkonstellationen im Wien der Wende zum 20. Jahrhundert hat nichts an Brisanz und Interessantheit verloren.

Zehn Paare unterschiedlichster Sozialmilieus begegnen sich an zehn verschiedenen Orten um einem Anliegen zu folgen: der sexuellen Begierde – der Lust, dem Trieb. Im körperlichen Begehren lösen sich soziale Hierarchien auf, werden sich alle Bürger gleich. Ähnlich einem „Gang“ durch die verschiedenen Gesellschaftsschichten, sind die Begegnungen nach dem Tanzprinzip des Reigens angeordnet: eine Hand wird an den nächsten Tanzpartner weitergereicht. So begegnen sich in ihrer Intimität Dirne und Soldat, Soldat und Stubenmädchen, Stubenmädchen und junger Herr, der wiederum der jungen Frau, die ihrem Ehemann, der dem süßen Mädel und diese wiederum dem Dichter, der Dichter der Schauspielerin, diese dem Graf, bis jener wieder auf die Dirne vom Beginn trifft. Der Beziehungsbegriff ist bei Schnitzler, gemäß psychoanalytischer Tendenzen der Jahrhundertwende, von Triebbefriedigung und Materialismus geprägt und rückt gerade über das Aussparen eines rein emotionalen Liebesbegriffs diesen in den Fokus. „Insel der Seligen“ oder durchkalkulierter Machtparcours – was kann Liebe, auf eine Gesellschaft bezogen, sein?

Der Mediziner und Schriftsteller Arthur Schnitzler schuf mit diesem Stück von 1903 ein Panoptikum sozialer Stände, Rechte, Gesellschafts- und Geschlechterrollen, welches das Gebilde „Gesellschaft“ als Konstrukt und als von Machtinteressen durchzogen benennt. Macht lässt sich hier, frei nach Foucault, als beständig selbst erzeugendes und immer wieder neu ausbalancierendes System von Beziehungen und Kräften verstehen, in welchem der Einzelne seine Position inne hat, es jedoch nicht wirklich lenken kann. Zu welch explosiven Reaktionen dieser Themenkomplex führen kann, zeigt die Aufführungsgeschichte des Stückes: nach der Uraufführung 1921 verboten, durfte es erst 60 Jahre später wieder, seit 1982, in deutschen Spielplänen vorkommen.

Vorstellungsdauer: 1 ½ Stunden

Aktueller Abiturstoff an Gymnasien in Schleswig-Holstein (2013-2015)


Begleitmaterial zur Vor- und Nachbereitung für Schulklassen kann kostenfrei über die Theaterpädagogin Janina Wolf unter 04621/ 967034 oder janina.wolf@sh-landestheater.de bestellt werden.

12.02.2016 11:00 Wiederaufnahme Slesvighus Schleswig
10,50 - 25 €
22.02.2016 11:00 Kleine Bühne Flensburg
L-Preise 14 €
22.02.2016 18:00 Kleine Bühne Flensburg
L-Preise 14 €
07.03.2016 18:00 Kleine Bühne Flensburg
L-Preise 14 €

Besetzung


Inszenierung: Max Claessen
Ausstattung: Mirjam Benkner

Mit:
Dirne 1/ Junge Frau/ Schauspielerin:
Yasmina Djaballah
Stubenmädchen/ Dichterin/ Dirne 2:
Junger Herr/ Süßer Junge: Christian Simon
Soldat/ Ehegatte/ Graf: Reiner Schleberger